Was bedeutet offene Arbeit in der Kita?
Kinder lernen nicht alle zur gleichen Zeit, auf die gleiche Weise oder mit den gleichen Interessen. Sie bringen ihre eigenen Stärken, Bedürfnisse, Erfahrungen und Entwicklungsschritte mit. Deshalb gestalten wir in unseren Kindertagesstätten Nordwest eine Lernumgebung, die sich an den Kindern orientiert – nicht umgekehrt.
Die Offene Arbeit bietet dafür den passenden Rahmen.
Wie begleiten pädagogische Fachkräfte Kinder im offenen Konzept?
Stärkenorientiert begleiten
In der Offenen Arbeit richten wir in unseren Berliner Kitas unseren Blick bewusst auf die Ressourcen jedes einzelnen Kindes. Jedes Kind bringt individuelle Stärken, Interessen und Talente mit. Pädagogische Fachkräfte beobachten die Kinder im Kita-Alltag aufmerksam und schaffen daraus Bildungsangebote, die an ihren aktuellen Themen anknüpfen. So entstehen ganzheitliche Lernerfahrungen, bei denen Kinder in ihrem eigenen Tempo lernen und ihre persönlichen Lernfenster nutzen können.
Auch in Alltagssituationen, in denen Kinder herausgefordert reagieren, verstehen wir das Konzept der offenen Arbeit als gemeinsame Lerngelegenheit.
Pädagogische Fachkräfte fragen: Welches Bedürfnis zeigt das Kind gerade? Was braucht es in diesem Moment?
Kinder handeln mit dem Wunsch, ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Manchmal fehlen ihnen dafür noch passende Worte oder Strategien. Pädagogische Fachkräfte begleiten sie dabei, Gefühle wahrzunehmen, Bedürfnisse auszudrücken und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Dadurch wachsen Selbstregulation, soziale Kompetenzen und gegenseitiges Verständnis.
Kinder lernen in sicheren Beziehungen
Eine vertrauensvolle Beziehung bildet die Grundlage für Bildung und Entwicklung. Kinder entdecken die Welt mit Freude, wenn sie sich sicher und angenommen fühlen.
In der Offenen Arbeit bauen Kinder Beziehungen zu mehreren vertrauten pädagogischen Fachkräften auf. So können sie selbst entscheiden, welche Person sie in einer bestimmten Situation begleitet, tröstet, ermutigt oder beim Lernen unterstützt. Unterschiedliche pädagogische Fachkräfte bringen unterschiedliche Stärken mit und bereichern den Alltag der Kinder. Diese Vielfalt stärkt das Vertrauen der Kinder in ihre eigenen Entscheidungen und schafft gleichzeitig ein tragfähiges Netzwerk aus verlässlichen Beziehungen.
Verlässliche Orientierung
Die pädagogischen Fachkräfte beobachten die Interessen, Bedürfnisse und Entwicklungsthemen der Kinder aufmerksam.
Auf dieser Grundlage gestalten sie den Rahmen des Kita-Alltags kontinuierlich weiter. Räume, Materialien, Bildungsangebote und Abläufe entwickeln sich gemeinsam mit den Kindern und orientieren sich an ihren aktuellen Themen.
So entstehen Strukturen, die Kindern Sicherheit und Orientierung geben und gleichzeitig genügend Raum lassen, ihren individuellen Lernweg zu gestalten. Die Gestaltung des Alltags folgt dabei den Bedürfnissen der Kinder und schafft einen verlässlichen Rahmen, in dem sie Selbstständigkeit, Mitbestimmung und Gemeinschaft erleben können.
Strukturen, die Kindern Sicherheit und Orientierung geben:
- Lern- und Rückzugsräume, die Kindern ermöglichen, konzentriert zu arbeiten, zu spielen, sich zu entspannen oder zur Ruhe zu kommen.
- Ein verlässlicher Zeitrahmen für die Mahlzeiten, sodass Kinder innerhalb dieses Rahmens selbst entscheiden können, wann sie frühstücken, zu Mittag essen oder vespern. Dabei achten die pädagogischen Fachkräfte darauf, dass die Kinderrechte gewahrt werden und jedes Kind ausreichend Zeit und Gelegenheit zum Essen erhält.
- Gesprächsrunden, die sich an den aktuellen Themen der Kinder orientieren. Inhalt, Ort, Zeitpunkt und Dauer werden flexibel an die jeweilige Situation angepasst. So entstehen Gespräche, die Kinder beteiligen, ihre Interessen aufgreifen und ihnen Raum für Austausch, Mitbestimmung und gemeinsames Lernen geben.
- Lernräume und Bildungsangebote, die auf Grundlage der Alltagsbeobachtungen kontinuierlich weiterentwickelt werden und die aktuellen Interessen und Entwicklungsthemen der Kinder widerspiegeln.
Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung
Kinder entwickeln Selbstvertrauen, wenn sie erleben, dass ihr Handeln etwas bewirkt. Sie sammeln täglich Erfahrungen, in denen ihre Ideen zählen, ihre Entscheidungen Bedeutung haben und sie Verantwortung übernehmen können.
Sie wählen Spielpartner, Lernräume und Beschäftigungen entsprechend ihrer Interessen. Sie beteiligen sich an Entscheidungen, bringen eigene Ideen ein und erleben, dass ihre Meinung gehört wird. Dabei lernen sie, anderen zuzuhören, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, Kompromisse zu finden und Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen.
Ebenso lernen Kinder, ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen, Grenzen zu setzen und die Grenzen anderer zu respektieren. Diese Erfahrungen stärken ihre Persönlichkeit, fördern Eigenverantwortung und bilden eine wichtige Grundlage für Demokratiebildung und präventiven Kinderschutz.
Lernräume als Bildungsräume
Kinder brauchen Orte, an denen sie ungestört lernen, entdecken, forschen, gestalten oder zur Ruhe kommen können. Unsere Räume sind deshalb bewusst als unterschiedliche Lernräume gestaltet. Sie greifen die Interessen und Themen der Kinder auf und laden zum eigenständigen Entdecken ein.
Kinder wählen die Räume entsprechend ihrer aktuellen Interessen aus und erleben dabei Selbstbestimmung und Eigenverantwortung.
Gleichzeitig beobachten die pädagogischen Fachkräfte die Bildungsprozesse der Kinder kontinuierlich.
Diese Beobachtungen fließen direkt in die Weiterentwicklung der Räume, Materialien und Angebote ein. So entsteht eine Lernumgebung, die sich gemeinsam mit den Kindern entwickelt.
Mit Blick auf die Zukunft: Welche Kompetenzen fördert die offene Arbeit in der Kita?
Kinder wachsen heute in einer Welt auf, die Eigeninitiative, Teamfähigkeit, Kreativität, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit verlangt, sich immer wieder auf neue Situationen einzulassen.
Die Offene Arbeit bietet vielfältige Gelegenheiten, genau diese Kompetenzen täglich zu erleben:
Kinder treffen Entscheidungen, übernehmen Verantwortung, gestalten ihren Alltag mit, lösen Konflikte gemeinsam, lernen voneinander und bringen ihre individuellen Stärken in die Gemeinschaft ein.
Sie erleben, dass Lernen überall stattfinden kann, ob beim Experimentieren, im Rollenspiel, beim Bauen, im Gespräch, beim Aushandeln gemeinsamer Lösungen oder beim Entdecken neuer Zusammenhänge. So entwickeln sie Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten, Freude am Lernen und die Bereitschaft, Herausforderungen mit Neugier und Zuversicht zu begegnen.
Diese Erfahrungen bilden eine wertvolle Grundlage für den Übergang in die Schule und begleiten die Kinder weit darüber hinaus.
Fazit: Offene Arbeit lebt von pädagogischer Haltung
Jede Einrichtung gestaltet die Offene Arbeit entsprechend ihrer räumlichen Voraussetzungen, der Dynamik ihrer Kindergemeinschaft und ihren organisatorischen Rahmenbedingungen. Dadurch entstehen unterschiedliche Schwerpunkte und individuelle Lösungen, die zu den jeweiligen Gegebenheiten passen.