Kinder, die erleben, dass ihre Stimme zählt, lernen, für sich einzustehen, andere zu respektieren und Verantwortung zu übernehmen. In der offenen Arbeit passiert genau das: jeden Tag, in ganz alltäglichen Situationen. Wie das konkret aussieht und warum Partizipation und präventiver Kinderschutz in unseren Kindertagesstätten Nordwest untrennbar zusammengehören, zeigen wir auf dieser Seite.

Soziale Kompetenzen entwickeln: Gemeinsam lernen bedeutet auch, Kompromisse zu finden

Eltern fragen uns häufig:

Lernen Kinder in der offenen Arbeit auch, Dinge zu tun, die sie sich nicht selbst ausgesucht haben?

Die Antwort ist ja! Und zwar ständig:

Im gemeinsamen Alltag erleben Kinder immer wieder Situationen, in denen unterschiedliche Wünsche und Interessen aufeinandertreffen. Sie möchten mit einem bestimmten Spielzeug spielen, ein anderes Kind hat jedoch dieselbe Idee. Eine Gruppe entscheidet sich für ein gemeinsames Spiel, obwohl ein Kind etwas anderes bevorzugt. Beim Planen eines Projekts oder beim Bauen entstehen unterschiedliche Vorstellungen, die miteinander abgestimmt werden.

Diese Erfahrungen sind wertvolle Lerngelegenheiten. Kinder lernen, einander zuzuhören, eigene Wünsche zu äußern, Kompromisse zu finden und gemeinsame Entscheidungen zu treffen. Sie erleben, dass ihre eigenen Bedürfnisse wichtig sind und gleichzeitig auch die Bedürfnisse anderer berücksichtigt werden dürfen.

So entwickeln sie Empathie, Frustrationstoleranz, Konfliktfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Sie erfahren, dass Gemeinschaft bedeutet, eigene Ideen einzubringen, gemeinsame Lösungen zu finden und manchmal auch zugunsten eines gemeinsamen Ziels zurückzustecken. Gleichzeitig erleben sie, dass auch ihre eigenen Wünsche an anderer Stelle wieder Raum finden.

Auf diese Weise erwerben Kinder wichtige soziale Kompetenzen, die sie in der Schule, in Freundschaften und später im Berufsleben begleiten. Sie lernen, Verantwortung für das Miteinander zu übernehmen und erleben, dass gemeinsames Handeln häufig zu Lösungen führt, die alle Beteiligten mittragen können.

Was offene Arbeit bedeutet und welche pädagogische Haltung dahintersteht, beschreiben wir ausführlich im Beitrag "Offene Arbeit in unseren Kitas in Berlin"

Offene Arbeit stärkt Kinder und lebt präventiven Kinderschutz

Präventiver Kinderschutz beginnt dort, wo Kinder erleben, dass ihre Gedanken, Gefühle und Meinungen wichtig sind. Die Offene Arbeit schafft dafür einen geschützten Rahmen, in dem Kinder sich ausprobieren, ihre Sichtweisen einbringen und ihre Anliegen vertreten können. » Mehr zum Kinderschutz

Partizipation im Kita-Alltag: Mitbestimmung ernst nehmen

Kinder erfahren, dass sie Rechte haben und diese im Alltag leben dürfen. Die Kinder lernen im Rahmen des offenen Konzepts ihrer Kita, individuelle Bedürfnisse wahrzunehmen, die eigene Meinung respektvoll zu äußern und für sich selbst einzustehen. Gleichzeitig entwickeln sie ein Gespür für Gerechtigkeit. Sie erkennen, wenn etwas für sie selbst oder für andere Kinder unfair ist, und erleben, dass sie sich einbringen, Fragen stellen und Unterstützung holen dürfen.

Im täglichen Miteinander üben Kinder, eigene Interessen zu vertreten, Kompromisse zu finden und Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen. Sie lernen, anderen zuzuhören, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. So wachsen Selbstvertrauen, Durchsetzungsvermögen und Empathie gleichermaßen.

Pädagogische Fachkräfte begleiten diese Lernprozesse aufmerksam und schaffen eine Atmosphäre, in der Kinder sich sicher fühlen, ihre Grenzen wahrnehmen und die Grenzen anderer respektieren. Sie erleben, dass ihre Stimme zählt und dass sie mit ihren Gedanken, Gefühlen und Bedürfnissen ernst genommen werden.

So entwickeln Kinder Schritt für Schritt die Fähigkeit, selbstbewusst für sich einzustehen, andere zu unterstützen und Verantwortung für ein respektvolles und wertschätzendes Miteinander zu übernehmen. Diese Erfahrungen bilden eine wichtige Grundlage für einen wirksamen präventiven Kinderschutz und begleiten Kinder weit über die Kitazeit hinaus.    

Kita-Kinder und Team führen eine Aufführung auf der zentralen Treppe auf
Kita-Kinder und Kita-Team bei der Eröffnung der "Kita im Grünen". Der moderne Neubau vereint nachhaltige Architektur mit einem pädagogischen Konzept, das Partizipation, Achtsamkeit und Naturerfahrung in den Mittelpunkt stellt. Copyright Benjamin Pritzkuleit

Starke Kinder in starken Bildungsräumen

Partizipation, soziale Kompetenzen und Kinderschutz zeigen sich nicht nur im Miteinander, sondern auch in der Gestaltung unserer Berliner Kita-Räume. Kinder entscheiden selbst, welchen Funktionsraum sie nutzen, mit wem sie dort arbeiten und wie lange sie bleiben. Räume werden gemeinsam mit den Kindern weiterentwickelt. Ihre Interessen und Themen bestimmen, was sich verändert.

Beispielsweise die "Kita im Grünen" der Kindertagesstätten Nordwest: Sie bietet Platz für 165 Kinder und arbeitet nach den Prinzipien der Offenen Arbeit und Partizipation. Kinder gestalten hier ihren Alltag aktiv mit, wählen ihre Lernräume selbst und entdecken die Natur direkt vor der Tür. Bewegung, Sprache, Achtsamkeit und Inklusion stehen im Mittelpunkt.